Montag, Mai 20, 2024

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Interview mit Tobias Ebster

Der 26-jährige Tobias Ebster überzeugte bei seiner diesjährigen Rallye Dakar Premiere als bester Österreicher mit dem 20. Gesamtrang und dem Klassensieg in der sogenannten „Malle-Moto“ Kategorie. In seinem 4. Lebensjahr bekam er seine erste Motocross-Maschine und wechselte 2022 in den Rally Sport, wo er bereits mehrere große Erfolge erzielen konnte. Dies gab uns Anlass, dem aus Fügen (Tirol) stammenden KTM Kini Fahrer einige Fragen zu seiner Karriere zu stellen:

© Flavien Duhamel / Red Bull

Angefangen hast du ja mit dem Motocross Sport. Erzähle uns kurz mit welchem Alter du begonnen hast und wie du dazu gekommen bist.
Tobias: „Zu meinem 4. Geburtstag habe ich eine 50ccm von meinem Vater bekommen. Er fuhr mit mir dann immer nach Kundl zum Trainieren, wenn er keine Zeit hatte oder Doppelschichten eingelegt hat, war ich viel mit meiner Oma und Opa beim Trainieren.

Welche Höhen und Tiefen hast du in deiner Motocross-Karriere erlebt, und wie haben sie dich als Fahrer beeinflusst?
Im Alter von 11 Jahren hatte ich einen schweren Sturz und habe mir dabei die Niere, Milz schwer verletzt. Ich musste notoperiert werden und war wochenlang im Krankenhaus. Das war auf jeden Fall ein Tiefpunkt, aber aufgeben war nie eine Option für mich. 3 Jahre später wurde ich dann Vizestaatsmeister in der Jugend Klasse, das war dann ein erster größerer Höhepunkt. Natürlich hat mich der schwere Sturz damals etwas mitgenommen, aber als ich wieder Rennen gewinnen konnte war das schnell vergessen und hat mich aber als Fahrer auf jeden Fall geprägt.

2022 hat es nach unserem Wissen bei dir dann einen Richtungswechsel in den Rally Sport gegeben. Wie ist es dazu gekommen?
Der Wechsel war eigentlich schon 2021, wo ich meine erste Rally in Griechenland mitgefahren bin (Hellas Rally). Es hat mir so gut gefallen und ich konnte direkt aus 364 Startern auf den 2.Platz fahren. Da wusste ich dann ,,Das will ich auf jeden Fall weitermachen,,! Dazu gekommen ist es, dass mich mein Onkel Heinz Kinigadner gefragt hat, ob ich mal Lust habe, mit ihm in die Wüste zu fahren. In Tunesien war ich mit ihm das erste mal unterwegs mit Roadbook und ich wollte mehr, sodass ich an der Hellas teilgenommen habe.

© Marcelo Maragni / Red Bull

Wir haben gesehen, dass du auch beim legendären Aspang Race 2022 und 2023 gestartet bist. Wie war dieses Rennen für dich?
Ich war tatsächlich die letzten beiden Jahre beim Aspang Race am Start. Das erste Mal habe ich 2022 teilgenommen. Ich wurde dann vom Veranstalter kontaktiert, ob ich wieder Lust hätte mitzufahren. Ohne zu zögern war ich dabei. Es ist eine riesige Veranstaltung, aber alles passt einfach Top. Die Strecke ist der Hammer und man wird mich bei diesem Rennen bestimmt noch öfters sehen, vor allem weil wir bei den Rally’s teilweise viel Enduro fahren. Aber nicht im klassischen langsamen Style, sondern Vollgas und dafür finde ich das Aspang Race eine tolle Vorbereitung.

Wie genau hast du dich auf deine erste Rally vorbereitet?
Ich war in Italien zum Roadbook-Training und habe sehr viel auf meiner PS4 Dakar The Game gespielt nebenher. Ich bin dann meistens 2-3 Stunden auf dem Hometrainer geradelt und dann ging es weiter in den Keller zum Fitnesstraining, wo ich mir viele Videos übers rally fahren und über die ganzen Regeln angesehen habe.

Gibt es bestimmte Rituale oder Gewohnheiten, die du vor einem Wettkampf pflegst?
Gewohnheiten nicht unbedingt, aber vor jedem Start segne ich mich und hoffe natürlich immer auf Hilfe von oben, von meinem Opa Walter, der leider viel zu früh gestorben ist, der immer mit mir am Start bei den MX Rennen war.

Welche Gefühle hattest du kurz bevor es zu deiner ersten Rallye Dakar gegangen ist? Hattest du dir auch bestimmte Ziele gesetzt?
Um ehrlich zu sein ich war richtig nervös. Leider habe ich mir im Oktober die Schulter gebrochen und im November das Kahnbein. Natürlich hatte ich irgendwo Angst, dass es zu kurzfristig ist 1 1/2 Monate später am härtesten Offroadrennen der Welt teilzunehmen, aber ich wusste, aufgegeben wird nur der Brief bei der Post. Das Ziel war auf jeden fall unter die Top 30 zu kommen.

© Actiongraphers

Du kannst heuer auch auf eine sehr erfolgreiche Rallye Dakar, mit einem Klassensieg und ein Top 20 Ergebnis, zurückblicken. Es ist für einen Außenstehenden extrem schwer vorzustellen, wie sich dieses Erlebnis angefühlt haben muss. Kannst du uns deine Erlebnisse etwas schildern?
Für Leute, die nicht so viel mit Rally zu tun haben, ist es gar nicht so leicht zu erklären, auf was für ein Abenteuer man sich begibt. Jeden Tag werden zwischen 600-900 km auf einer Strecke zurückgelegt, die man noch nie zuvor gefahren ist. Egal ob riesige Dünen, lange Schotterpisten, Steinfelder, Canyons, Flussdurchfahrten, etc., wir müssen jeden Kilometer so schnell wie möglich fahren und dabei auch noch richtig fahren, weil wir ja verschiedene Wegpunkte anfahren müssen und der Schnellste innerhalb von 2 Wochen ist dann der Sieger. Wir haben Top Speed von 160km/h und teilweise einen Durchschnitt von 100-120km/h. Es ist einfach einzigartig und brutal zugleich, was da geleistet wird. Ich konnte sogar Geschichte schreiben und das nicht nur 1 mal. Das ist natürlich ein hammermäßiges Gefühl, vor allem beim ersten Mal sowas zu erreichen.

© Flavien Duhamel / Red Bull

Die Rallye Dakar gilt ja nicht zu Unrecht als eines der gefährlichsten Rennen der Welt. Spielte für dich auch Angst eine Rolle?
Die Angst ist immer irgendwo dabei, nur muss man es kontrolliert abschalten können ohne Angst zu fahren. Wenn es dich mit 150km/h zerfetzt, dann tut das schon ganz schön weh, aber das muss man ausblenden und einfach voll fokussiert und konzentriert seine 400-500km Vollgas abfahren.

Gibt es noch spezielle Ziele oder Meilensteine, die du in deiner Karriere erreichen möchtest?
Mein Ziel ist es auf jeden fall in der nahen Zukunft ganz vorne mitzumischen, bei den Big Boys und den berühmten Pokal den Beduinen mit nach Österreich bringen zu können und vor allem gesund zu bleiben.

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Enduro Insider

© BILDCREDITS

Flavien Duhamel / Red Bull